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Evangelische Kirchengemeinde
Bohnsdorf-Grünau
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Paul –
Gerhardt – Gemeindeheim
Reihersteg 36-38
12526 Berlin
Tel: 030 / 676
10 90
Fax: 030 / 67
80 99 55
Monatsspruch August
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
Johannes 8,15
Monatsspruch September
Ein Mensch, der da isst und trinkt und guten Mut bei all
seinen Mühen hat, das ist eine Gabe Gottes.
Prediger 3,13
Liebe
Gemeinde,
alles verstehen, heißt alles vergeben. Ist das so, wie
diese umgangssprachliche Redewendung
glauben machen will?
Und, spricht eigentlich etwas gegen das Verstehen und das
Vergeben?
Wer aber diesen Ausspruch bemüht, meint damit wohl eine
allseitige Unentschlossenheit, die
zu keiner Entscheidung mehr kommt. Und das kann durchaus
problematisch sein. Denn, wer
sich nicht entscheidet, kommt nicht weiter. Und andere, die
ihm anvertraut sind, werden im
Stich gelassen. Eine unterlassene Entscheidung kann durchaus
schwere Folgen haben.
Im Wort Jesu aber geht es jedoch um das Verurteilen. Und das
ist etwas anderes als die
notwendige Entscheidungsfindung für ein Problem Jesus
argumentiert in einer sehr heiklen
Situation: Es sind seine Gegner, die ihn überführen wollen
und ihm eine Falle stellen.
Sie konfrontieren ihn mit einer Frau, die wegen Ehebruchs
nach den damaligen Gesetzen
hingerichtet werden müsste (Was der betreffende Mann zu
befürchten hatte, bleibt offen).
Die Gegner ahnen, dass Jesus die Frau nicht zur Hinrichtung
verdammen wird; offensichtlich
war das Gesetz schon damals außer Mode geraten. Dann aber
könnten seine Gegner ihn
verklagen, denn Jesus wäre sofort des Gesetzesbruchs
schuldig gewesen. Man hätte ihn,
den Gesetzeslehrer, nun seinerseits hinrichten, oder
wenigstens in Verruf bringen können.
Stattdessen weist Jesus auf die Ankläger der Frau und
spricht zu ihnen das Wort vom ersten
Stein, den der werfen möge, der ohne Sünde sei.
Jesus hat sich aus der Falle gerettet, die ihm gestellt
worden war, und seine Gegner überführt.
Er tut jedoch noch etwas, das darüber weit hinausgeht:
Hatten seine Gegner die Frau nur als ein Objekt behandelt
und zur Schau gestellt, so wendet
Jesus sich ihr wirklich zu. Er gibt ihr ihre Würde wieder
und spricht sie an.
>> Ich verdamme dich nicht. Gehe hin und sündige
nicht mehr <<,
sagt er zu ihr und eröffnet ihr ein neues Leben. Das ist
es, was Jesus, das Licht der Welt, ausmacht.
Die persönliche Zuwendung zum Gebeugten und die Eröffnung
neuen Lebens, einer neuen
Identität im Licht der Liebe Gottes und in der Gemeinschaft
der Gläubigen.
Dieser Zuspruch Gottes ist jedoch auch ein Anspruch: Wem
vergeben wurde, der kann andere
nicht verurteilen. Jesus macht es vor:
Ich richte niemanden. Wir sind frei, uns selbst und andere
anzunehmen.
Herzlich,
Ihr Pfarrer

Ulrich Kastner
I
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